Dr.-oec. Winfried Sonntag

Dr.-oec. Winfried Sonntag

Er wurde am 30.03.1924 in Zwickau geboren. Von 1930 bis 1938 besuchte er die Volksschule in Zwickau. 1938 begann er mit der Lehre als Werkzeugmacher im Werk Horch und besuchte gleichzeitig die Gewerbeschule in Zwickau. Nach 3 1/2Jahren schloss er die Lehre als Werkzeugmacher ab. Nach sehr gut bestandenem Berufswettbewerb erhielt er eine Delegierung an die Ingenieurschule für Luftfahrttechnik in Thorn. Diese besuchte er bis zum 4. Semester, da dann die Einberufung zur Wehrmacht erfolgte. Er kam in das Fliegerregiment 51. Anschließend kam er in die Fliegertechnische Schule 7 in Detmold wo er bis Oktober 1944 blieb. Danach kam er zu den Fallschirmjägern. Am 28. Februar 1945 geriet er in russische Gefangenschaft und wurde im November 1949 in die Heimat entlassen. Im Dezember 1949 begann er als Detailkonstrukteur in der Abteilung Konstruktion im Werk Horch. Bis 1951 absolvierte er die IFA - Ingenieurschule, die er seit 1950 besuchte. 1954 im Mai wurde er zum Direktor für Technik im IFA Kraftfahrzeugwerk Audi Zwickau berufen. Er war verantwortlich für die Entwicklung des P70 und des P50. Im Jahr 1958 erhielt er den Auftrag mit einer Arbeitsgruppe die Zusammenlegung der beiden Zwickauer Automobilwerke zu konzipieren und vorzubereiten. Mit der Fusionierung soll eine Erhöhung der Stückzahl der zu produzierenden Autos erreicht werden. In den zusammengelegten Werken mit dem Namen VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau wurde er Direktor für Technik. 1961/1962 schickte er Konstrukteure ins VW-Werk nach Wolfsburg, die Skizzen vom Ovalband zur Fertigung und zum Schweißen der Bodengruppen anfertigten. um diese Technik zu übernehmen. 1963 begannen dann die Pläne für die Erweiterung des Werkes in Mosel. Im Zuge der Umstrukturierung der VVB Automobilbau wurde er mit der Bildung des Wissenschaftlich Technischen Zentrums ( WTZ ) durch die Zusammenführung der Zentralen Entwicklung und Konstruktion ( ZEK ) in Chemnitz und dem KFZ Entwicklungswerk in Hohenstein-Ernstthal beauftragt. Mit der Bildung des WTZ 1963 wurde er als Betriebsdirektor eingesetzt. Ihm war es gelungen den Betriebsteil Hohenstein-Ernstthal des WTZ auf Sondermaschinenbau umzuprofelieren. Im Jahr 1968 wurde er als Generaldirektor der VVB Automobilbau berufen. Er war damit für die Leitung der Automobilindustrie in der DDR zuständig und musste im Rahmen seiner Leitungstätigkeit sichern, dass die Planvorgaben und die Entwicklungsaufgaben im Industriezweig Automobilbau erfüllt wurden. Winfried Sonntag brachte einen Einspruch ein gegen den Beschluss, dass Werk für Umformtechnik in Schwarzenberg an das Kombinat für Umformtechnik in Erfurt zu überführen. Dieser brachte ihn ein Disziplinarverfahren ein. Seine größte Enttäuschung war die Ablehnung des PKW Gemeinschaftsprojektes DDR-CSSR mit dem PKW Typ P760 durch das Polit-Büro der SED, zu dem es bereits ein Regierungsabkommen gab. 1978 wurde die VVB Automobilbau aufgelöst und in 4 Kombinate überführt. Mit dieser Veränderung wurde er als Betriebsdirektor im Wissenschaftlich Technischen Zentrum und Stellvertreter des IFA PKW Kombinates PKW eingesetzt. 1978 erhielt er nach ordnungsgemäßen Diplomverfahren den Hochschulabschluss DIPLOM ÖKONOM. Nach einer außerplanmäßigen wissenschaftlichen Aspirantur an dem Karl Marx Universität Leipzig wurde ihm vom wissenschaftlichen Rat auf Grund der von ihm nachgewiesenen wissenschaftlichen Befähigung auf dem Gebiet der Betriebswirtschaft der akad. Grad Dr. oec. am 29.07.1987 verliehen. 1983 wurde auf der Grundlage einer Verhandlungskonzeption mit VW verhandelt und 1984 kam es zu 3 Verträgen mit der VW AG. Die Verträge enthielten die Lizenzname für den - Motor EA 111 - den Kauf einer Motorenteilebearbeitungs-Gebrauchtanlage aus Hannover – und die Lieferung von 100 000 Rumpfmotoren ab 1988 pro Jahr - an die VW AG. 1985 wurde Winfried Sonntag als Auftragsleiter für das - Vorhaben Antriebsaggregat VW Motor – eingesetzt. Nach Lösung aller Probleme wurde 1988 die Alfamotorenfertigung erfolgreich in Betrieb genommen. Der PKW Wartburg erhielt mit dem Viertakt-Motor EA 111 ein neues Herz und löste den 2-Takt-Otto-Motor ab. Winfried Sonntag ist nach einer erfolgreichen, schöpferischen Tätigkeit im Automobilbau der DDR mit 66 Jahren in den Ruhestand gegangen.

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