Dr.-Ing. Werner Reichelt

Dr.-Ing. Werner Reichelt

Geboren am 30.09.1927, erlebte den Krieg noch als Soldat, war Fallschirmjäger, lernte ab 1942 Werkzeugmacher und wollte danach Blechumformung studieren. Er absolvierte die höhere Fachschule für Blechumformung in Aue und schloss mit der Meister- und Technikerprüfung ab. Danach erfolgte das Studium Kraftfahrzeugbau an der Ingenieurschule Zwickau. Ab 1951 Fernstudium in der TU Dresden, und später ein Zusatzstudium zum Diplomingenieur und die Dissertation 1981 an der Ingenieurhochschule Zwickau zum Dr. Ing.. Am 1.9.1950 begann er in den Horchwerken in Zwickau in der Konstruktionsabteilung für Blechumformwerkzeuge. Er wurde bereits 1951 Stellvertreter des Bereichsleiters der Blechbearbeitung. Im Juni 1952 kam er zur Kunststoffkarosserieentwicklung der VVB Auto. Erste Aufgabe war dort die Lösung des Problems der schnell heiz- und kühlbaren Presswerkzeuge zur Herstellung der Kunststoffteile aus faserverstärktem PVC und später aus baumwolleverstärktem Phenolharz. Danach erfolgten Arbeiten zur ersten Anwendung des Kunststoffes in der Serie an den F8 Motorhauben. 1953 sollte auf Wunsch des damaligen Generaldirektors der VVB Auto und Initiator der Kunststoffkarosserieentwicklung in der DDR, Oberingenieur. Kurt Lang, die F9 Karosserie in Kunststoff umgestellt werden. Er konstruierte dafür die Pressformen und führte die Einbauversuche in Eisenach aus. Die Versuche verliefen negativ. Die Außenform des F9 war zu kompliziert und für Kunststoffteile ungeeignet. Es kam zum Beschluss einen neuen Kleinwagen zu entwickeln. Mit seinen Vorschlägen für die Gestaltung der Kunststoff-Formteile entstand im WTZ-Auto in Chemnitz der Ur-P50. Das Blechgerippe für dieses Fahrzeug war nicht vor 1956 produzierbar. Es fehlten die Umformwerkzeuge. Deshalb wurde als Zwischenlösung ein Holzgerippe verwendet. So entstand der P70, später auch als Kombi erhältlich. Er war maßgebend beteiligt an der Entwicklung der neuen P50 Karosserie von Walter Ende und am Serienanlauf des P50, später Trabant. Hauptaufgaben waren die Presstechnik, die Lackierung und die Montagetechnik. Er war entscheidend beteiligt in der Vorbereitung zur Umstellung auf den P601 und später in der Vorbereitung zum leider nicht produzierten Trabantnachfolger P603. Er ist Mitinhaber der wichtigsten Patente zur Kunststoffkarosserie aus Zwickau. Ab 1987 war er Leiter der Kunststoffentwicklungsabteilung. Nach dem Abbruch der Kunststoffkarosserieentwicklung war er Leiter der Werkstoffeinsatzforschung für die VVB Auto, vorwiegend im Bereich Walzstahlreduzierung. Er war auch Leiter der Arbeitsgruppe Autochemie, die vom GD Kurt Lang 1958 gebildet wurde. Sie regelte die Zusammenarbeit zwischen der chem. Industrie und dem Automobilbau der DDR. Sie bestand von 1958 bis 1992, also 34 Jahre ohne Unterbrechung und wurde mehrfach ausgezeichnet. Er führte in dieser Zeit auch eine Studie durch zur Ermittlung der mittleren Lebensdauer von PKW. 1988 begann er mit dem Recycling und der Wiederverwertung der beim Verschrotten von PKW anfallenden Rohstoffe. Die Kunststoffentwicklungsabteilung des WTZ Auto der DDR führte er nach der Wende zu einem privaten Servicebetrieb für die Einhaltung der Recyclingvorgaben an Pkw. Mit 64 Jahren ging er in Rente und war noch 2 Jahre Berater in der neuen Recyclingfirma.

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